Keine Angst


Vor ein paar Tagen bin ich unerwartet an ein Thema erinnert worden, das im Zusammenhang mit dem Laufen ohne Schuhe hin und wieder aufkommt, das ich aber vollkommen aus dem Blick verloren habe. Und zwar, weil es eigentlich kein Thema ist. Zumindest nicht für mich und viele, die häufig im Alltag barfuß laufen. Aber von vorne: Ich war in einer Stadt nahe meiner Heimat ein paar Dinge erledigen, natürlich bei diesem warmen Sommerwetter ohne Schuhe, nur in Socken. Nach der Pflicht kam die Kür. Die bestand aus einer kleinen Einkaufstour und der Suche nach ein paar Klamotten, die mir gefallen könnten. In einem größeren Geschäft ging ich dann mit ein paar Kleidungsstücken in die Umkleidekabine, als die dort Aufsicht führende Mitarbeiterin auf meine schuhlosen Füße aufmerksam wurde und fragte, ob ich die Schuhe irgendwo vergessen habe. Sie war in ernster Sorge, ich hätte diese vielleicht irgendwo im Geschäft abgestellt und versehentlich dort stehen lassen. Ich erklärte ihr, dass ich gar keine Schuhe dabei habe und bei angemessenem Wetter fast immer nur in Socken laufe. Sie äußerte sich interessiert mit der Frage, ob man sich da nicht verletzt und sich die Füße aufschneidet.

Erstaunlicherweise ist es so, dass ich mir um Verletzungen und mögliche Gefahren gar keine bewussten Gedanken machen. Und die Erfahrung zeigt, dass ich mich noch nie wirklich schlimm verletzt habe, wenn ich ohne Schuhe unterwegs war. Ein paar kleinere Blessuren habe ich nur dann davongetragen, wenn ich mit den Zehen irgendwo angestoßen bin. Besonders in der Stadt, auf gut einsichtigem Boden, bin ich noch nie in etwas hinein getreten, was mich hätte verletzen können. Das liegt unter anderem daran, dass auf den Straßen und Wegen in den Städten gar nicht sehr viel Gefährliches herumliegt. Und es liegt auch daran, dass ich mir offenbar eine unterbewusste Art des vorausschauenden Bodenbetrachtens angewöhnt habe, bei der ich ohne gebannt nach unten zu schauen wahrnehme, wie die Beschaffenheit des Bodens ist. Das ist nicht bewusst eintrainiert, sondern eine Art Automatismus, der sich im Laufe der Zeit seit den vorsichtigen Anfängen in Sachen Sockenlaufen eingestellt hat. Also: Nur Mut! Das Laufen ohne Schuhe ist nicht besonders gefährlich.

Ein wenig zur Vorsicht mahnen möchte ich dennoch. Die beschriebenen positiven Erfahrungen gelten bei gut einsehbarer Bodenbeschaffenheit, wie man sie zum Beispiel in der Stadt und auf befestigten Wegen findet. In der Natur kann das stellenweise etwas anders sein. Als potenziell riskant sehe ich besonders hohe Wiesen, bei denen man nie so genau weiß, was an der Stelle lauert, an der man auftritt. Besonderen Respekt habe ich zum Beispiel vor Dornen. In hohem Gras hilft dann auch nur ganz vorsichtiges Auftreten. Bevor man den Fuß belastet, sollte man sich durch Erspüren des Grundes sicher sein, dass dort nichts Verletzendes lauert. 

13. Juni 2020